Wellings Metamorphosen

Das Glashaus und Tanzszenen

James Welling: Glass HouseDie Anmutung solcher Zwischenprodukte und Makulaturen, so wie ich sie in Erinnerung habe, spiegelt sich – für mich – wider in einigen Werkserien Wellings: Zu nennen ist eine Serie großformatiger Bilder „Glass House“, die Durchblicke zeigen durch eine Art Glaspavillion in einer Waldlandschaft. Dabei ist es dem Fotografen offenbar um die Überschneidung, beziehungsweise Durchdringung von Durchblick und Spiegelung gegangen. Zugleich hat er massiv Filter in kräftigen Farben eingesetzt.

Viele dieser „Glass House“-Bilder transportieren eine Anmutung, die denken lässt an fehlende Farben oder an die Überbetonung bestimmter Farben, ganz ähnlich wie es auch unfertige Drucke und Fehldrucke zeigen. Ich muss betonen, dass es sich um eine emotionale Ähnlichkeit handelt, nicht unbedingt um eine visuelle. Es wäre auch verwegen von mir, zu behaupten, dass Welling auf die Form der Serie „Glass House“ gestoßen wäre bei seinem Besuch bei der Druckerei Meridian. Dennoch lässt sich auf einer höheren Ebene eine Assoziation zwischen den beiden Serien herstellen.

James Welling: ChoreographDiese Aura des „Work in Progress“ umgibt auch die Serie „Choreograph“, die hauptsächlich Mehrfachbelichtungen (mit digitalen Mitteln) zeigt, in welchen es um Tanzszenen geht. Das verweist auf des Autors Ausbildung als Choreograf. Am stärksten ist für mich die Druckerei-Assoziation aber bei den „Glass House“-Bildern zu spüren. Diese, aber fast noch mehr die „Choreograph“-Bilder, sind meine persönlichen Favoriten in der Ausstellung.

Fazit

Es gibt einige Bildserien, mit welchen ich sehr wenig anfangen kann. Bei anderen Serien, wie etwa bei „Wyeth“ fehlt dem normalen Betrachter meist das Basiswissen, um dieses auf die Bilder zu beziehen. In diesem Fall ist es das Werk von Andrew Wyeth, einem 2009 verstorbenen amerikanischen Maler, welches offenbar Welling sehr beeindruckt hat. Die Bilder der Serie beziehen sich auf Orte, an welchen Wyeth gemalt hat und sie zitieren auch einzelne Gemälde. Wer Wyeth und sein Werk nicht kennt, wird auch vor den Fotografien ohne Verständnis stehen. Der Ausstellungskatalog schafft es immerhin, die Beziehung mit entsprechenden Gegenüberstellungen zu knüpfen, aber sollte das nicht in erster Linie die Ausstellung an sich leisten?

Wenn ich auch vor manchem anderen, nicht nur vor den „Wyeth“-Bildern, ohne rechtes Verstehen gestanden bin, hat mich Welling insgesamt doch auch beeindruckt, vor allem durch seine Experimentierfreudigkeit und durch seine Fähigkeit, aus Formen und Farben Bilder zu „komponieren“. Für den Fotografen selbst besteht sicher ein innerer, nur ihm selbst bekannter, Zusammenhang zwischen den Serien. Ihm selbst mögen sie also als Metamorphose erscheinen. Einem Außenstehenden jedoch das Gesamtwerk als Metamorphose zu präsentieren, verwirrt diesen eher, als dass es den Zugang dazu erleichterte. Für meinen Geschmack hätte die Ausstellung auch durch eine andere – vielleicht bessere(?) – Präsentation durchaus gewinnen können.

Ausstellung: James Welling
Ort: Kunstforum Wien
Künstler/In: James Welling
Kurator/In: Heike Eipeldauer und Martin Germann
Zeit: 5. Mai 2017 bis 16. Juli 2017

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