Schlagwort: Ausstellung

Posthume Karriere

Was die Ausstellung „Vivian Maier, Street Photographer“ in der Wiener Galerie Westlicht nicht zeigt, ist die spannende Entdeckungsgeschichte des Werks einer Fotografin, das heute genannt wird zusammen mit den Werken von Henri Cartier-Bresson oder Diane Arbus, welches aber nur durch einen Zufall bekannt geworden ist und beinahe schon unerkannt der Vernichtung preisgegeben war. Davon aber etwas später.
Gezeigt wird ein repräsentativer Querschnitt aus diesem Schaffen einer Frau, die stets ihren Lebensunterhalt als Kindermädchen und Haushaltshilfe verdient hat. Wie der Ausstellungstitel schon andeutet, handelt es sich vorwiegend um Straßenfotografie in New York und in Chicago. Weiterlesen »

Ecce Homo

Und der Mensch heißt Mensch, weil er vergisst, weil er verdrängt und weil er schwärmt und stählt, weil er wärmt, wenn er erzählt, und weil er lacht, weil er lebt …

Herbert Grönemeyer

Aufgefallen ist mir der Ausdruck „humanistische Fotografie“ 2017 in einer Ausstellung der Bilder von Bruce Davidson in der Wiener Galerie Westlicht. Lange Zeit konnte ich Davidsons Bilder nicht zusammenbringen mit dem Humanismus als Geisteshaltung, wie sie in der frühen Neuzeit entstanden ist. Diese Geisteshaltung beruft sich auf vermeintliche Vorbilder in der Antike, die abzielen auf die Verwirklichung des Ideals eines Menschen, der seine wahre Bestimmung erkennt durch Wissen und Tugend. Dieses Lebenskonzept sollte das vorherrschende mittelalterliche Bild ersetzen, das den Menschen sieht als machtloses Wesen, das nur abhängig ist von der Gerechtigkeit und Barmherzigkeit Gottes und seiner weltlichen Herren.
Die humanistische Fotografie hat nicht viel mehr als den Namen mit dieser Geisteshaltung gemein. Es geht zwar wohl um Menschen – wie in vielen anderen fotografischen Sparten auch – aber von diesen Sparten lässt sich die humanistische Fotografie zunächst wie folgt abgrenzen:

Humanistische Fotografie ist eine französische Bewegung von Fotografen, deren fotografisches Interesse den Menschen in ihrem Alltagsleben gilt.

Henri Cartier-Bresson

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Der distanzierte Blick

Vielleicht muss ich meine Erwartungen etwas zurückschrauben, denn diese sehen vor, dass mich in einer Fotoausstellung irgendetwas packe, überrasche oder gar begeistere. Selbst wenn diese Emotionen negativ wären, lägen sie noch in meinem Erwartungsspektrum. Dass mich das meiste, was zu sehen ist, kalt ließe, liegt jedoch außerhalb dessen. Aber beinahe hätte die Retrospektive des Werks von Alfred Seiland in der Albertina bei mir diese Nicht-Emotion hervorgerufen. Schließlich hat sich doch das eine oder andere gefunden, was mir interessant, betrachtens- und beachtenswert erschienen ist.
Alfred Seiland ist ein österreichischer Künstler, Jahrgang 1952, und er gehört zu den ersten, die sich ausschließlich der Farbfotografie widmen. Erwähnenswert ist auch seine Arbeitsweise: Er fotografiert ausschließlich mit einer Großbildkamera in analoger Technik, also auf Film. Infolge der aufwändigen Aufnahmetechnik fehlt den Bildern im allgemeinen jede Dynamik und Spontaneität. Das an sich ist ja kein Manko. Ein fotografisches Werk kann auch mit anderen Qualitäten auffallen. Am auffälligsten ist hier jedoch die sehr solide technische Verarbeitung der Bilder und deren ruhige und ausgewogene Komposition. Das alleine jedoch kann kein Kriterium sein. Weiterlesen »

Wellings Metamorphosen

In einer Fotoausstellung suche ich meist nach einem roten Faden, das heißt, nach dem Aspekt, der alle Exponate verbindet. Es ist klar, dass dieser Faden nicht gut sichtbar aus jedem Bild heraushängt, aber in der Gesamtheit der ausgestellten Bilder sollte er doch auch für den bemühten Betrachter zu sehen sein. Diesen Faden zu finden ist mir sehr schwer geworden in der Ausstellung „James Welling“ im Kunstforum Wien. Die Ausstellung, die zuvor in Gent zu sehen war, ist dort unter dem Titel „Metamorphosis“ gestanden. Diese Bezeichnung wird durch die Ausstellung nicht gerechtfertigt, denn obwohl das Werk Wellings aus ganz unterschiedlichen Serien zu bestehen scheint, stehen diese – als geschlossene Blöcke – jeweils für sich. Was mir fehlt für eine Metamorphose, ist die Verbindung zwischen diesen Gruppen.
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