Den Bach hinunter

Das Thema „Wasser“ ist auch für Fotografen nicht neu. Es kommt immer wieder vor in verschiedenen Lesergalerien in Fotozeitschriften, in Wettbewerben von Fotoclubs und in ähnlichen Rahmen. Jeder Fotograf hat sich damit – auch bildnerisch – schon auseinandergesetzt. Üblicherweise entstehen dabei Bilder von Meeresbrandungen und Wasserfällen oder die berühmten Tropfenbilder. Was soll man sich da erwarten von einer Fotoausstellung unter dem Titel „Wasser“?

Ästhetik und Ökologie

Edward Burtynsky: Where I stand„Wasser“ lautet der Titel einer Ausstellung, die das Kunsthaus Wien vom 23. 3. bis zum 27. 8. 2017 zeigt; „Water“ betitelt auch der kanadische Fotograf Edward Burtynsky seinen jüngsten Werkzyklus, der im Kunsthaus ausgestellt wird. Die typischen Wasserfälle und Meeresbrandungen findet man jedoch nicht unter den Bildern. Bei vielen Bildern hatte ich überhaupt Mühe, den Bezug zum Wasser herzustellen. Es handelt sich durchwegs um großformatige, fast wandgroße Bilder, die zum Großteil Luftaufnahmen zeigen. Nicht immer ist klar zu erkennen, was die Bilder eigentlich darstellen. Sie wirken eher auf eine fantasievolle Weise abstrakt – und beeindruckend, nicht zuletzt durch ihre Größe.

Burtynskys Zugang zum Thema „Wasser“ umfasst deutlich mehr als die romantische Betrachtung von Wasserfällen. Für ihn – und natürlich für uns alle – ist Wasser das wesentliche Element, welches uns erlaubt, auf dem Planeten Erde zu leben. Dieser Erkenntnis kann sich kaum jemand entziehen. Im Lichte dieser Erkenntnis stellt der Fotograf die Frage, wie wir mit dem Wasser, welches wir alle zum Leben brauchen, umgehen. Wie gebrauchen wir Wasser? Und wie missbrauchen wir es? Wir sind dabei, neue Energiequellen zu entwickeln, um Erdöl zu ersetzen, wenn es dereinst keines mehr geben wird. Aber womit werden wir sauberes Wasser ersetzen, wenn es keines mehr geben wird?

Der Werkzyklus kann keine Antworten geben. Er soll auch nur die Fragen ins Bewusstsein vieler Menschen rufen. Burtynsky hat fünf Kontinente bereist, um die Situation unseres Umgangs mit Wasser in Bilder zu fassen. Wer ein wenig die ökologische Situation der Erde beobachtet, braucht kein Pessimist zu sein, um zu ahnen, dass die Missbrauchsbeispiele überwiegen werden. Doch glücklicherweise gibt es auch Beispiele von klugem, sparsamem und nachhaltigem Gebrauch von Wasser.

Der Colorado River und die Zukunft des Planeten

Für das Wassermanagement am Colorado River trifft das leider nicht zu. Die Wasserentnahme aus dem wasserreichsten und größten Fluss im Südwesten der USA ist so hoch, dass er schon längst nicht mehr ganzjährig sein Delta in Mexiko am Golf von Kalifornien erreicht. Es wird dem Fluss oberhalb des Mündungsgebiets soviel Wasser entzogen, hauptsächlich für landwirtschaftliche Bewässerungsaufgaben, dass große Teile des verbleibenden Wassers in den danach durchquerten Wüsten- und Trockengebieten verdunsten und nur noch versickerte Reste unterirdisch in den Golf von Kalifornien gelangen. Sieht man die Luftaufnahmen des vertrocknenden Colorado-Delta, so sieht man ästhetisch ansprechende Bilder, deren Reiz in einer ungewohnten und fantastischen Formensprache liegt; aus verästelten, fraktalen Formen, welche die versickernden Wasserläufe in die wüstengleiche Landschaft Mexikos zeichnen. Leider kann ich aus Copyrightgründen kein Bild davon hier einfügen, aber in nebenstehendem Video wird auch eines von Burtynskys Bildern des vertrocknenden Colorado gezeigt.

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