Kategorie: Theorie

Abstrakte Fotografie?

Über Bildgestaltung in der Fotografie zu schreiben, ist sehr schwierig. Eine präzise Anleitung kann es nicht geben, denn diese, genauer gesagt, deren Befolgung, würde nur Stereotypen hervorbringen. Dennoch braucht es die Gestaltung, auch wenn die Aufnahme nicht als „künstlerisch“ angesehen werden soll, um das unmittelbare Erleben des Fotografen einigermaßen adäquat in eine zweidimensionale Abbildung zu übersetzen. Es braucht die Gestaltung etwa um das, was im Bild wichtig ist, deutlich zu machen und die Wirkung dessen, was unwichtig ist, möglichst hintanzuhalten. Das ist auch keine Verfälschung, sondern ein Ausgleich, weil dem Betrachter ja ein unmittelbares Erleben fehlt. Selbst wenn das Bild nur dokumentierenden oder informierenden Charakter hat, unterstützt gute Bildestaltung dabei, die Information leicht verständlich aufzubereiten.
Es gibt daher auch mehrere Bücher über fotografische Bildgestaltung, die sich eben nicht als konkrete Anleitung verstehen. Überraschenderweise beziehen sich mehrere Autoren dieser Werke auf eine Schrift von Wassily Kandinsky: Punkt und Linie zu Fläche. Kandinsky hat dieses Buch herausgegeben als den Versuch einer „Harmonielehre der Malerei“. Obwohl er als Zielgruppe Maler und angehende Maler im Sinn gehabt hat, bleibt jedoch die Wirkung, die visuelle Grundelemente hervorrufen, die gleiche, egal, ob diese nun auf einem Gemälde oder in einer Fotografie in Erscheinung treten. Weiterlesen »

Die Kunst des Weglassens

„Minimal Art“ ist eine Kunstrichtung, die in der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts entstanden ist. Wenn man diese Bezeichnung als Motto für die Kunstrichtung interpretieren will, so lautete dieses Motto nicht (wie sich etwa vermuten ließe) „So wenig Kunst wie möglich“, sondern eher „So einfache Kunst wie möglich“. Wäre dann nicht eher die Bezeichnung „Simple Art“ angebracht? Auch das gäbe kein zutreffendes Bild, denn einfach soll weder die Aussage, noch der Gehalt des Werks sein; vielmehr soll der volle Gehalt des Werks vermittelt werden durch einen visuellen Ausdruck, der so einfach, so reduziert wie möglich ist. In der bildenden Kunst würde das bedeuten, dass nichts mehr weggelassen oder vereinfacht werden kann, ohne das Werk in seiner Aussage zu verändern. So also ist Minimal Art – oder Minimalismus – zu verstehen. (Der Begriff „Minimalismus“ bezieht sich nicht nur auf die Kunst, sondern auf mehrere Bereiche der Lebenswelt.)
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