Kategorie: Szene

Posthume Karriere

Was die Ausstellung „Vivian Maier, Street Photographer“ in der Wiener Galerie Westlicht nicht zeigt, ist die spannende Entdeckungsgeschichte des Werks einer Fotografin, das heute genannt wird zusammen mit den Werken von Henri Cartier-Bresson oder Diane Arbus, welches aber nur durch einen Zufall bekannt geworden ist und beinahe schon unerkannt der Vernichtung preisgegeben war. Davon aber etwas später.
Gezeigt wird ein repräsentativer Querschnitt aus diesem Schaffen einer Frau, die stets ihren Lebensunterhalt als Kindermädchen und Haushaltshilfe verdient hat. Wie der Ausstellungstitel schon andeutet, handelt es sich vorwiegend um Straßenfotografie in New York und in Chicago. Weiterlesen »

Der distanzierte Blick

Vielleicht muss ich meine Erwartungen etwas zurückschrauben, denn diese sehen vor, dass mich in einer Fotoausstellung irgendetwas packe, überrasche oder gar begeistere. Selbst wenn diese Emotionen negativ wären, lägen sie noch in meinem Erwartungsspektrum. Dass mich das meiste, was zu sehen ist, kalt ließe, liegt jedoch außerhalb dessen. Aber beinahe hätte die Retrospektive des Werks von Alfred Seiland in der Albertina bei mir diese Nicht-Emotion hervorgerufen. Schließlich hat sich doch das eine oder andere gefunden, was mir interessant, betrachtens- und beachtenswert erschienen ist.
Alfred Seiland ist ein österreichischer Künstler, Jahrgang 1952, und er gehört zu den ersten, die sich ausschließlich der Farbfotografie widmen. Erwähnenswert ist auch seine Arbeitsweise: Er fotografiert ausschließlich mit einer Großbildkamera in analoger Technik, also auf Film. Infolge der aufwändigen Aufnahmetechnik fehlt den Bildern im allgemeinen jede Dynamik und Spontaneität. Das an sich ist ja kein Manko. Ein fotografisches Werk kann auch mit anderen Qualitäten auffallen. Am auffälligsten ist hier jedoch die sehr solide technische Verarbeitung der Bilder und deren ruhige und ausgewogene Komposition. Das alleine jedoch kann kein Kriterium sein. Weiterlesen »

Wellings Metamorphosen

In einer Fotoausstellung suche ich meist nach einem roten Faden, das heißt, nach dem Aspekt, der alle Exponate verbindet. Es ist klar, dass dieser Faden nicht gut sichtbar aus jedem Bild heraushängt, aber in der Gesamtheit der ausgestellten Bilder sollte er doch auch für den bemühten Betrachter zu sehen sein. Diesen Faden zu finden ist mir sehr schwer geworden in der Ausstellung „James Welling“ im Kunstforum Wien. Die Ausstellung, die zuvor in Gent zu sehen war, ist dort unter dem Titel „Metamorphosis“ gestanden. Diese Bezeichnung wird durch die Ausstellung nicht gerechtfertigt, denn obwohl das Werk Wellings aus ganz unterschiedlichen Serien zu bestehen scheint, stehen diese – als geschlossene Blöcke – jeweils für sich. Was mir fehlt für eine Metamorphose, ist die Verbindung zwischen diesen Gruppen.
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Den Bach hinunter

Das Thema „Wasser“ ist auch für Fotografen nicht neu. Es kommt immer wieder vor in verschiedenen Lesergalerien in Fotozeitschriften, in Wettbewerben von Fotoclubs und in ähnlichen Rahmen. Jeder Fotograf hat sich damit – auch bildnerisch – schon auseinandergesetzt. Üblicherweise entstehen dabei Bilder von Meeresbrandungen und Wasserfällen oder die berühmten Tropfenbilder. Was soll man sich da erwarten von einer Fotoausstellung unter dem Titel „Wasser“?

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